03.06.2020
Häufig beschäftigt uns alle im Team, wie es wohl den Angehörigen gehen mag, die sich derzeit von einem lieben, wichtigen Menschen verabschieden müssen, und das unter diesen widrigen Umständen. Natürlich tun wir alles in unserer Macht Stehende, um dennoch einen würdevollen Abschied zu ermöglichen und ein Tor zu öffnen für den Beginn eines heilenden Trauerprozesses.
Einige Menschen fühlen sich besonders davon getröstet, auf einer Beerdigung alle Menschen, die das Leben des/der Verstorbenen begleitet haben, wiederzusehen und mit ihnen gemeinsam den letzten Weg zu gehen. Sie fühlen sich mitgetragen und können ihre Trauer teilen und mitteilen.
Andere Menschen wiederum benötigen im Zeiten der Trauer einfach nur körperliche Nähe, einen Händedruck, eine Umarmung. Einfühlsame Gesten, die ohne Worte sagen: „Ich bin für dich da, heute, aber auch danach. Du kannst auf mich zählen“.
Alle diese tröstenden Gesten bleiben Angehörigen derzeit verwehrt.
Ich kann es so gut verstehen, dass viele Betroffene große Probleme mit den Abstandsregeln haben und sich dennoch spontan umarmen, obwohl diese Nähe sehr kritisch zu sehen ist.
Aber der Schmerz sitzt so tief und die Trauer ist so umfassend, dass sie all das Schwere nicht alleine tragen können. Auch wenn es in der „momentanen Situation“ (ich habe selten eine Formulierung so hassen gelernt) nicht möglich ist, Zuwendung und Mitfühlen durch körperliche Nähe zum Ausdruck zu bringen, so gibt es doch immer andere Wege, Mitmenschlichkeit und Wärme denen gegenüber zu zeigen, die so besonders beladen sind. Wir sollten beieinander bleiben. Wenn auch mit Abstand.
Alexander Lategahn